Zeugniswerk

Geheimcodes im Arbeitszeugnis: Liste und Bedeutung

Geheimcodes sind Formulierungen, die freundlich klingen, aber etwas Negatives andeuten, etwa „trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei“ für Alkohol. Nach § 109 Abs. 2 GewO sind sie unzulässig. Die Liste unten zeigt bekannte Beispiele.

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Bekannte Codes und unzulässige Angaben

Diese Liste prüft auch unser Generator bei allen Freitexten und der Zeugnis-Check in vorhandenen Zeugnissen.

ArtBedeutung
doppeldeutig„Geselligkeit“ wird häufig als Hinweis auf Alkoholkonsum gelesen.
doppeldeutig„Trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei“ gilt als bekannte Umschreibung für Alkoholkonsum.
gehört nicht ins ZeugnisAlkohol gehört nicht ins Zeugnis.
doppeldeutig„Einfühlungsvermögen für die Belange der Belegschaft“ gilt als Umschreibung für Belästigung oder für Betriebsratsarbeit.
doppeldeutig„Verstand es, Aufgaben zu delegieren“ wird als „drückt sich vor Arbeit“ gelesen.
doppeldeutig„Tolerant“ wird als Hinweis auf Schwierigkeiten mit Vorgesetzten gelesen.
gehört nicht ins ZeugnisBetriebsrats- oder Gewerkschaftstätigkeit darf nur auf ausdrücklichen Wunsch der Person erwähnt werden.
doppeldeutig„Engagement auch außerhalb des Unternehmens“ wird als Hinweis auf Gewerkschaftsarbeit gelesen.
doppeldeutigGesundheitswünsche im Schlusssatz werden als Hinweis auf häufige Krankheit gelesen.
gehört nicht ins ZeugnisKrankheiten und Fehlzeiten gehören nicht ins Zeugnis.
gehört nicht ins ZeugnisSchwangerschaft, Behinderung, Religion und politische Haltung gehören nicht ins Zeugnis.
doppeldeutig„In seinem und im Interesse der Firma“ gilt als Umschreibung für Unterschlagung.
nur im Einzelfall„Wir haben sie als … kennengelernt“ ist nach BAG (15.11.2011, 9 AZR 386/10) für sich keine versteckte Abwertung. Manche Leser deuten es trotzdem so, eine direkte Formulierung ist eindeutiger.
doppeldeutig„Ordnungsgemäß“ wird als „Dienst nach Vorschrift, keine Eigeninitiative“ gelesen.
doppeldeutig„Wusste sich gut zu verkaufen“ wird als Wichtigtuerei gelesen.
doppeldeutig„Im Rahmen seiner Fähigkeiten“ bescheinigt geringe Leistungsfähigkeit.
doppeldeutig„Umgänglich“ wird als „wenig beliebt“ gelesen.
doppeldeutig„Zeigte Verständnis für seine Arbeit“ wird als „faul“ gelesen.
doppeldeutig„Mit Interesse“ bescheinigt Bemühen ohne Erfolg.
nur im EinzelfallHervorgehobene Pünktlichkeit kann so gelesen werden, dass es sonst nichts zu loben gibt.
doppeldeutigVerneinte Formulierungen werten ab und sind nicht klar im Sinne von § 109 Abs. 2 GewO.
doppeldeutig„Im gegenseitigen Einvernehmen“ ohne „besten“ deutet auf eine Kündigung durch den Arbeitgeber hin.
nur im EinzelfallAbmahnungen und Kündigungsgründe des Arbeitgebers gehören in der Regel nicht ins Zeugnis.
nur im EinzelfallElternzeit darf nur erwähnt werden, wenn die Unterbrechung im Verhältnis zur Gesamtdauer erheblich ist.

Beredtes Schweigen

Neben einzelnen Wörtern zählt, was fehlt:

Was tun, wenn ein Code im Zeugnis steht?

Bitten Sie den Arbeitgeber schriftlich um Berichtigung und schlagen Sie eine neutrale Formulierung vor. Der Zeugnis-Check markiert bekannte Codes rot. Ob ein Satz tatsächlich als Code gemeint ist, lässt sich nicht immer sicher sagen, manche Formulierungen werden in der Literatur unterschiedlich gedeutet. Im Streitfall hilft eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Häufige Fragen

Sind Geheimcodes im Arbeitszeugnis erlaubt?

Nein. § 109 Abs. 2 GewO verbietet Merkmale oder Formulierungen, die eine andere Aussage treffen sollen als aus dem Wortlaut ersichtlich. Enthält ein Zeugnis einen solchen Code, kann die Person eine Berichtigung verlangen.

Ist jede Note unter „gut“ ein Geheimcode?

Nein. Die abgestufte Zeugnissprache mit „stets“, „vollsten“ oder „im Allgemeinen“ ist eine allgemein bekannte Notenskala und zulässig. Geheimcodes sind Formulierungen, die nebenbei etwas ganz anderes andeuten, etwa Alkohol oder Diebstahl.

Kann auch Weglassen ein Code sein?

Ja. Fehlt ein üblicher Bestandteil, zum Beispiel die Beurteilung des Verhaltens gegenüber Vorgesetzten oder die Schlussformel, wird das häufig als Hinweis gelesen. Man spricht von beredtem Schweigen.